Die Ukraine – von Uschhorod über die Karpaten bis nach Lviv

Die historische Stadt an der Usch

Uschhorod
Uschhorod

Nach unserer wundervollen Zeit in Rumänien fiel es uns schwer „Leb Wohl!“ zu diesem Teil unserer Reise zu sagen – aber so traurig wir darüber waren, unsere lieb gewonnenen Orte loszulassen, so sehr freuten wir uns auf das nächste Kapitel: die Ukraine. Wie wir in unserem letzten Blogpost schon beschrieben haben, machten wir uns von Valea Stejarului über die Grenze auf nach Solotvyno. In Solotvyno bestiegen wir dann den wohl ältesten Zug der Ukraine, der uns laut rappelnd in 7 Stunden nach Uschhorod brachte, wo Hannes der Gruppe zustieß.

In Uschhorod verbrachten wir 2 Tage, die wir dringend nötig hatten, um uns mal auszuruhen und die Ereignisse und Eindrücke der letzten Wochen zu verarbeiten. Wir streunten durch die Stadt, sahen uns ein Freilichtmuseum über die Architektur der Karpaten an und besprachen bei Bier und Pizza unsere bisherigen Erlebnisse, bis uns die Augen zufielen – denn auf einer Reise ist das In-sich-gehen und das Mitteilen seiner Gedanken wohl genau so wichtig, wie das eigentliche Reisen und Erleben.

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Tagesausflug in Uschhorod
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Die Usch und Uschhorod bei Nacht

Doch wollten wir natürlich trotzdem bald weiterziehen. Und so stellte sich uns die Frage: wohin nur? Klar war, dass wir gerne noch einmal in die Berge fahren wollten. Ein Bekannter in Uschhorod erzählte uns von einem Festival, das in den Bergen stattfinden sollte. Trotz längerer Suche konnten wir keine weiteren Informationen finden, als die, dass es sich um ein Folklore-Fest direkt an einem See in den Karpaten handeln sollte. Das klang gut und wir entschieden uns, den nächsten Morgen dorthin zu fahren ohne genau zu wissen, was uns erwarten würde.

Synevyr – der nie gesehene See und das verpasste Festival

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Sonntag Morgen ging es für uns also auf in die Berge – mit dem Kleinbus 4 Stunden durch die Karpaten. Als wir ankamen, kam auch direkt der Schock: die Einfahrt zum See war schon 2 km vorher verstopft von hupenden Autos und laut fluchenden Menschen. Wir stellten fest, dass das schöne Folklore-Fest am See, das wir uns ausgemalt hatten, ein riesiges Volksfest war, welches eher mit Schlager als mit Traditionals aufwartete. Wir machten schnell kehrt. Was sollten wir jetzt machen? Wir entschieden uns erstmal einen Schlafplatz für die Nacht zu finden und unser unendlich schweres Gepäck loszuwerden. Nach einigen Minuten landeten wir auf dem Gelände eines stillgelegten Freilichtmuseums und wurden von dem Hausmeister der nahegelegenen Hotelanlage eingeladen, dort zu zelten. Dieser lud uns auch gleich auf ein, zwei, fünf Schnäpse, sowie Kartoffeln, Gewürzgurken und Gegrilltes mit seiner Familie ein. Wir verbrachten den Nachmittag Musik machend draußen und später in seinem Haus, da er und seine ganze Familie sich als Musiker entpuppten. Mit so einer Herzlichkeit rechnet man nicht einfach so, aber sie begegnet einem so oft in den Bergen.

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Die Gastfreundschaft in den Karpaten
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Unerwartete Jam Session

Leider ließ das gute Wetter des ersten Tages nach und wir wurden die nächsten zwei Tage von Regen überschüttet. Der Himmel färbte sich tief grau und ließ uns wirklich keine Alternative als zu warten und nass zu werden. Glücklicherweise bot uns Stephan, der Hausmeister der Anlage, an, in der nicht genutzten Sauna zu übernachten. So verbrachten wir den Abend dann doch noch im Trockenen, aßen und freuten uns darauf, den nächsten Morgen nach Lviv weiter zu ziehen. Das Wetter in den Bergen ist eben leider nicht so beständig wie die Freundlichkeit ihrer Bewohner…

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Unsere Mitbewohner

Der letzte Halt: Lviv – „Open to the World“

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Im Zug Richtung Lviv

Dienstag morgen fuhren wir von Synevyr nach Wolowez, die Stadt, die mit ihren Zügen die Karpaten mit dem Flachland im Westen verbindet. In Wolowez stiegen wir in den Zug Richtung Lviv. Kaum in Lviv angelangt und unseres Gepäcks entledigt, machten wir uns auf in die Stadt. An diesem Abend sollten wir, die wir aus den Karpaten kamen, auf den Rest der Truppe treffen und so geschah es in einer Pizzeria in der Lviver Innenstadt – erleuchtet von den schönsten Straßenlaternen und vibrierend von der Straßenmusik an jeder Ecke. Wir erzählten uns unsere Geschichten, brachten die Neuankömmlinge auf den neusten Stand und freuten uns über das Wiedersehen. Vor uns lagen noch 5 Tage in der vor Kunst und Kultur strotzenden Stadt.

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Lvivs berühmte Innenstadt

In Lviv wollten wir nochmal so viel Musik mitnehmen und mitteilen wie nur möglich. Auf dem Plan standen also Straßenmusik machen, Konzerte anschauen, den lokalen Straßenmusikern zuhören und befreundete Musiker treffen. Wir erwischten genau die richtige Zeit, um besonders viel regionale und internationale Kultur und Musik mitzuerleben: auf unseren Aufenthalt fielen der 25. Jahrestages der Unabhängigkeit der Ukraine, sowie das Etnovyr Festival, ein Festival für internationale Folk-Musik und Tanz.

Wir hörten indische, serbische und polnische Ensembles, traditionell ukrainische Instrumente und Lieder, eine ukrainische Pop-Band, Jazz Musiker, Straßenmusik ohne Ende… Es war ständig etwas los, ständig etwas Neues zu hören. Trotzdem fanden wir die Zeit, selbst auf die Straße zu gehen und dem ukrainischen Publikum unsere Musik zu zeigen, das uns sehr freundlich und offenherzig empfing.

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Das traditionelle ukrainische Instrument Bandura
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Die serbischen Musiker und Tänzer beim Etnovyr Festival

Der Höhepunkt unseres Lviv-Aufenthalts war aber wohl der vorletzte Abend. Wir trafen uns mit den Schauspielern des Theaters „META“, um mit ihnen gemeinsam Musik zu machen, ihnen unsere Songs zu zeigen und von ihnen ukrainische Folklore-Lieder zu hören. Das Theater META gründete sich in den 80er Jahren in Lviv. Sie setzten sich durch ihre Theaterstücke kritisch mit der Politik und Gesellschaft der damals noch sowjetisch besetzten Ukraine auseinander. Aber wie es in der Ukraine oftmals der Fall ist, sangen sie auch einfach Lieder zusammen. Und auch nach 30 Jahren treffen sich ihre Mitglieder immer noch, spielen Theater und singen natürlich. Und so wollten wir gerne etwas von ihnen und ihrem Gesang, ihren Geschichten und der Kultur mitnehmen. Wir verbrachten einen wundervollen Abend zusammen – abwechselnd mit unseren und ihren Liedern, ihren und unseren Geschichten und lernten so eine ganze Menge voneinander.

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Die Mitglieder des Theaters META und die Batiar Gang

Das Ende unserer Reise rückte so näher und näher und nach einem letzten Abend in einem der berühmten Lviver Cafés, packten wir unsere Sachen und sagten nicht nur der Stadt Lebe Wohl sondern auch der ganzen Reise. Einer Reise, die jedoch nie so richtig zu Ende gehen wird – denn diese war nur der Anfang von etwas Wundervollem, was uns immer und immer wieder auf die Straßen, in die Züge und in die Ferne ziehen wird. Denn es gibt noch so viel zu entdecken!

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Eure Batiar Gang

Die Musik der rumänischen Karpaten

Valea Stejarului, Maramuresch
Valea Stejarului, Maramuresch

Nach unserem Aufenthalt in Sighetu Maramtiei machten wir uns letzten Sonntag auf, um die Dörfer der Maramuresch Gegend kennen zu lernen. Unser erster Stop war ein kleines Volksfest in dem Dorf Barsana. Vollgepackt mit Gepäck und Instrumenten wurden wir auf dem Festplatz von den Feiernden überrascht aber herzlich empfangen. Wir verbrachten den Nachmittag auf dem Fest, gebannt von den wundervollen Trachten, der Musik und den traditionellen Tänzen. Dort kamen wir direkt ins Gespräch und entschieden uns am Abend mit unseren Beknnten nach Valea Stegarului zu fahren – dort würde das große Folklore Festival eröffnet werden, von dem wir euch schon kurz erzählt hatten. Das kleine Dorf, in welches wir fuhren, liegt fern ab aller Geschäfte und Stadttrubels – ein Fleckchen Erde an dem es kein Internet oder Telefonnetz gibt und das seine Traditionen mit vollem Herzen auslebt. Wir verbrachten den Abend auf einem Berg sitzend, während der Gesang eines rumänischen Priesters über die Täler wehte und sich in dem Echo der Berge spiegelte.

Das Dorf
Das Dorf

Uns war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, dass uns in diesem Ort so viele neue Freunde, wundervolle Begenungen und solch eine Fülle an Musik erwarten würde. Wir blieben 5 Tage – länger als wir dachten und doch war es keine Sekunde langweilig oder uninteressant. Wir lernten die Dorfkapelle kennen, welche die Klassiker ihres Dorfes jeden Abend um besten gaben. Wir trafen Musiker aus England, die uns ihre liebsten englischen Folklorelieder zeigten. Nach einigen Tagen gesellten sich zu uns zwei Mädels aus Polen mit denen wir Nächte lang am Lagerfeuer mehrstimmig russische, ukrainische, polnische, bulgarische und sogar afrikanische Lieder sangen und lernten. Jeden morgen standen wir auf zu Dudelsack Musik; frühstückten, während sich neben uns die Jugendlichen des Dorfes in ihrer Virtuosität auf der Geige zu übertreffen versuchten; aßen Mittag und sangen; verbrachten die Abende mit unzähligen Menschen, von denen wir lernten, die unseren Liedern zuhörten und mit denen wir uns bis in die Nacht über Musik unterhielten.

Und Schlagzeug zusammenschrauben auf dem Berg
Und Schlagzeug zusammenschrauben auf dem Berg
Gemeinsames Lernen
Gemeinsames Lernen
Der Akkordeonist
Der Akkordeonist
Die Batiar Gang, Tino, Monica und Anja
Die Batiar Gang, Tino, Monica und Anja

Aus allen Begegnungen haben wir unendlich viel Inspiration ziehen können und es fiel uns schwer Abschied zu nehmen nach den 5 Tagen, die sich anfühlten wie 5 Wochen. Die Zeit auf dem Berg wurde zu dem, was wir uns erhofft hatten: eine Zeit, die nur der Musik gewidmet war. Und doch machten wir uns schweren Herzens am Freitag Morgen auf in die Ukraine – über Sighetu Marmatiei, die Grenze und Solotvyno mit der Bummelbahn nach Uzhhorod. Hier in Uzhhorod ist für uns erstmal eine kurze Ruhezeit angesagt bevor es morgen dann weiter geht in die ukrainischen Karpaten – die vorletzte Station unserer großen Reise.

Auf dem Weg in die Ukraine
Auf dem Weg in die Ukraine
Uzhhorod
Uzhhorod

Von Sibiu nach Sighetu Marmatiei

Mit der Bummelbahn durch Rumänien und ein paar Tage in Sighetu Marmatiei

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Nach unseren ersten drei zeitweise etwas regnerischen Tagen in Sibiu, in denen wir erstmal ankamen, Musik machten und uns in Rumänien einlebten, ging es am Donnerstagabend nach Sighetu Marmatiei. 16 Stunden Zugfahrt standen uns bevor – von Sibiu über Brasov und Beclean nach Sighet. Die Zugfahrt war wild und lang. Eins der schönsten Erlebnisse hatten wir am Bahnhof von Beclean: 7 Uhr morgens, die Berge waren noch in Nebelschwaden gehüllt. Wir warteten auf den Zug, versuchten uns aufzuwärmen, als ein Mann auf uns zukam und das Akkordeon sah. Als er zu spielen begann, füllte sich die morgendliche Luft mit Akkordeonklängen und seiner melancholischen Stimme. Mit geschlossenen Augen, versunken in sein Spiel, verzauberte er uns und die Umstehenden, bis der Zug einfuhr.

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Von Sibiu nach Brasov
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Beclean
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Mehr oder weniger bequem…

Der letzte Zug, der uns von Beclean nach Sighet brachte, tuckerte 7 Stunden durch das Land – mit Türen, die man während der Fahrt öffnen konnte, einer mehr als abenteuerlichen Toilette und 2 Stunden in denen wir einfach in der Pampa standen und auf eine neue Lok warteten. Da wir die letzten 4 Stunden alleine im Wagon waren, nahmen wir uns alle ein Abteil, schliefen, machten Musik oder schauten uns einfach die Karpaten und die wunderschöne Landschaft an.

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Die Karpaten

Müde, aber voller neuer Eindrücke und zwei neuen Liedern kamen wir am Freitagnachmittag in Sighetu Marmatiei an. Dort fanden wir ein Hostel, mit riesigem Garten, vielen kleinen Katzen und einer wundervollen Gastgeberin. Diese fragte gleich: „Seid ihr wegen des Festivals hier?“ Von dem Festival hatten wir noch nichts gehört, aber als sie sagte es sei ein Folklore Festival, das in 36 kleinen Dörfern rund um Sighet stattfinden würde, wurden wir hellhörig – genau das was wir suchten!

Aber zuerst schliefen wir eine Runde und wurden dann direkt für einen Auftritt in der Coffee Factory hier in der Stadt angefragt. Also machten wir uns fertig und spielten Freitagabend wieder einen spontanen Gig. Im Laufe des Abends lernten wir gefühlt die halbe Stadt kennen, knüpften Freundschaften und konnten gar nicht so recht fassen, wie uns so viel Gutes passieren konnte.

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Das kleine Paradies in Sighetu Marmatiei
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Sonnige Nachmittage

Den nächsten Tag verbrachten wir bei Cyril, einem französischen Künstler, und seiner Frau. Danach fuhren wir zu einem Salzsee, bis wir abends wieder in der Coffee Factory spielten. Unter lautem Jubel, mit tanzendem Publikum und mit noch mehr neuen Freunden beendeten wir den Abend.

Wir entschieden uns den nächsten Tag weiter zu ziehen – jetzt endlich in ein paar kleine Dörfer: nach Breb, Hoteni und die umliegende Gegend. Dort hoffen wir die traditionelle Musik zu erleben. Außerdem möchten wir einige Teile der Folklore Festivals mitnehmen: vielleicht ein Workshop in traditioneller Musik? Vielleicht ein Konzert? Oder etwas ganz anderes?! Wir sind gespannt was die nächste Woche so bringt. Aber jetzt geht es erstmal auf nach Breb – und dann gibt es in ein paar Tagen wieder Neues von uns!

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Eine lange Reise und die ersten Tage in Rumänien

Die Reise Richtung Sibiu

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7:15 Leipziger Hauptbahnhof: mit Pauke, Trompete, Klarinette, Akkordeon und Geige geht’s los. Den Anfang der Reise machen wir zu fünft – Seppel, Matze, Stefan, Josie und Melanka – und fahren los nach Dresden. Vor uns liegen 24 Stunden Fahrt in denen wir von Dresden über Prag nach Budapest und im Nachtzug nach Sibiu weiterfahren. Und so durchqueren wir an einem Tag fünf Länder, sehen Berge, Seen und Wälder, Industrie, Dörfer und Städte. Wir beschriften unsere CDs, singen, essen und schlafen und schmieden Pläne für die kommenden 3 Wochen.

Müde, aber glückliche Reisende
Müde, aber glückliche Reisende
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Unsere EP!
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Es ist eine Kunst für sich diese Instrumente gut zu verstauen
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Zugfahren, ewiges Zugfahren…

Um 11Uhr morgens kommen wir nach einer Nacht im Schlafwagon und mehreren Passkontrollen in Rumänien an. Sibiu empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein und Geruch nach Gebäck und Kaffee. Hier treffen wir Radu – ein Freund unserer Band – der uns für die ersten zwei Tage Obdach in einem Internat anbietet, das über die Ferien leersteht. Dafür spielen wir zwei Abende in seinem Lokal, welches direkt in der Altstadt gelegen ist und die perfekte Kulisse für einen Film wäre – die Sitzplätze draußen liegen an einer kleinen Brücke, die Laternen verströmen goldenes Licht und man kann über die ganze Stadt mit ihren alten Ziegeldächern sehen.

Sibiu im Abendlicht
Sibiu im Abendlicht
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Die wundervoll schiefen und krummen Dächer Sibius
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Jammen im Hinterhof

Der erste Auftritt unserer Reise war zauberhaft und glücklicherweise können wir uns in Sibiu gut ausruhen und Kraft tanken, ein wenig durch die Stadt flanieren und Musik machen. Heute Abend spielen wir noch einmal im Atrium und verabschieden und gebührend von Sibiu. Denn morgen geht die Reise weiter Richtung Norden – von Brasov über Sighetu Marmatiei nach Breb, Hoteni und Sapanta. Auch wenn wir noch nicht wissen wie wir, wann wir und wo wir genau ankommen, freuen wir uns auf die nächste Etappe in der es darum geht, die ländlichen Regionen Maramures zu erkunden.

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